Ein ausländischer Feind ist besser als ein Feind aus der eigenen Familie!
Also: Die Ereignisse der letzten Zeit entwickeln sich rasant, sodass viele nicht verstehen, was gerade vor sich geht. Der Lebensstandard in Europa sinkt. Der Krieg in der Ukraine hat an sich schon das Leben nicht nur der Ukrainer und Russen, sondern auch der Europäer erschwert. Dann haben die Ereignisse im Iran die Lage noch weiter verschlimmert. Europa befindet sich in einer Krise. Und nicht nur Europa. Der Krieg in der Ukraine war meiner Meinung nach von Anfang an absurd. Wir waren alle eine große Familie. In einer Familie kommt es, wie ihr weißt, manchmal zu Streitigkeiten. Brüder oder Schwestern streiten sich miteinander. So etwas kommt vor. Sie erinnern sich sicher an die Ereignisse in Karabach? Im Jahr 1987 begannen die Unruhen. Aserbaidschan und Armenien erhoben Anspruch auf diese Bergregion. 1988 spitzte sich die Konfrontation zu. Und dann, am 7. Dezember 1988, ereignete sich plötzlich das stärkste Erdbeben in Armenien. In Spitak. Die Stadt wurde praktisch zerstört. Wer kam den Armeniern als Erster zu Hilfe? Richtig, die aserbaidschanischen Nachbarn. Genau jene, mit denen sich bei den Armeniern ein Konflikt zusammenbraute, der bald doch in einen bewaffneten Konflikt ausartete.
Während der langen Jahre des Bestehens der UdSSR hatte sie einen hypothetischen Feind – den Westen: die USA und die NATO. Ende der 1980er Jahre änderte sich die Rhetorik des Westens. Man begann, sich nicht mehr als Feind der UdSSR, sondern als „Freund“ und Partner zu verstehen. Und die Union brach wie ein Kartenhaus zusammen. Die „Bedrohung“ von außen bildete das Bindeglied des Fundaments der UdSSR. Ich habe viel darüber nachgedacht, was passiert wäre, wenn beispielsweise – ich wiederhole: BEISPIELSWEISE – im Jahr 2022 oder etwas früher oder später NATO-Truppen in die Ukraine einmarschiert wären. Ohne die Zustimmung der Ukrainer. Was wäre dann geschehen? Ich bin mir zu 100 % sicher, dass Russland und Weißrussland der Ukraine zu Hilfe geeilt wären, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon lange in Konfrontation standen. Und nicht nur Moskau und Minsk wären der Ukraine zu Hilfe gekommen, sondern auch die Menschen aus allen anderen Republiken der ehemaligen UdSSR. Mit Ausnahme vielleicht der baltischen Republiken. Obwohl ich mir sicher bin, dass auch von dort zahlreiche Freiwillige gekommen wären.
Braucht es für gute, freundschaftliche und brüderliche Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern einen Feind von außen? Zu meinem Bedauern, ja. Und das habe ich schon in meiner Jugend erkannt, als ich in der sowjetischen Armee diente. Damals kam es zu Konflikten zwischen Angehörigen einer zentralasiatischen Volksgruppe. Ich fragte einen von ihnen: „Warum streitet ihr euch?“, worauf er antwortete: „Wenn jemand anderes einen von uns angreifen würde, würden wir uns alle zusammenschließen und dem Fremden die Stirn bieten. Aber wenn uns niemand angreift, fangen wir an, uns untereinander zu streiten.“ Meiner Meinung nach geschieht genau dasselbe derzeit auch zwischen Russen und Ukrainern. Das Gleiche geschieht auch im Iran. Dort gab und gibt es viele Gegner der Landesführung. Sowohl die USA als auch Israel gingen davon aus, dass die iranische Opposition die Führung des Landes stürzen würde, wenn sie den Iran angreifen würden. Doch … die Iraner schlossen sich angesichts der Bedrohung durch einen äußeren Feind zusammen. Und nicht nur die Iraner. Der gesamte Nahe Osten hat sich faktisch auf die Seite des Iran gestellt, obwohl es zuvor Meinungsverschiedenheiten gab.
Manche Analysten sagen voraus, dass es, selbst wenn die akute Phase zwischen Russland und der Ukraine endet, keine brüderlichen Beziehungen mehr zwischen den beiden Völkern geben wird. Aber...was für „Analysten“? Welche? Westliche und pro-Selenskyj-Analysten? Ach ja, da gibt es ja noch die „russische Opposition“ in Gestalt von Kasparow. Die „belarussische Opposition“ in Gestalt des Ehepaars Tichanowskij. Das ist einfach lächerlich. Es ist nicht das russische Volk, das Krieg gegen das ukrainische Volk führt. Es sind Politiker, die an die Macht gelangt sind. Ganz gleich, in welchem Land. Sobald sie den politischen Olymp erklommen haben, wollen sie ihn nicht mehr verlassen. Denn das bedeutet Macht, das bedeutet Geld.
Im Westen sagen alle, dass „Putin Angst hat, die Macht zu verlieren“. Eine völlig falsche These. Nehmen wir einmal an, Putin würde den Kreml verlassen. Und was dann? Er würde ein Leben als Rentner führen. Die Beispiele Gorbatschow und Jelzin sprechen dafür. Und was würde passieren, wenn Selenskyj die Macht verlieren würde? Richtig … er würde zur Rechenschaft gezogen werden. Von den Ukrainern selbst. Wer fürchtet also das Ende des Krieges: Putin oder Selenskyj? Selenskyj wird niemals wieder zum Präsidenten der Ukraine gewählt werden. Dank ihm steht das ukrainische Volk am Rande einer demografischen Katastrophe. Millionen Opfer, Millionen Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten. Nur wenige werden zurückkehren.
Dmirij Adamow, Journalist und Menschenrechtler

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